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Eine Zensur findet nicht statt!

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Im neuen Landtag in Potsdam tobt derzeit ein Kulturkampf. Zur Eröffnung hat der Landtag eine Kunstkommission beauftragt, eine Ausstellung für die Flure des Hauses zu finden. Das hat die Kommission getan und sich für die Ausstellung „Ich! Meine Selbstporträts zwischen 1635 und 2003“ des Künstlers Lutz Friedel entschieden. Er hat sich verfremdet als Persönlichkeiten der letzten 300 Jahren dargestellt – darunter Künstler*innen, Schriftsteller*innen, Wissenschaftler*innen und auch Politiker*innen. Es ist eine Auswahl von Menschen, die in irgendeiner Form – ob gut oder schlecht – unsere Geschichte geprägt haben. Natürlich sind auch Personen dabei, über die unsere Gesellschaft nicht stolz sein kann und darf: Hitler, Stalin, Gaddafi, Ulbricht. Aber das hier und heute ist auch von ihnen geprägt und zu dieser Auseinandersetzung zwingt uns der Künstler.

Dieser Auseinandersetzung wollen sich aber nicht alle stellen. Die CDU hat diese Woche massiv gegen die Ausstellung interveniert, hat – entgegen des Hausrechtes – sogar einzelne Bilder abgehängt. Die CDU fordert einen politischen Beschluss über die Bilder – welche hängen dürfen und welche nicht. Diese Auffassung ist nicht nur ein Unding, sie ist auch gefährlich. Die CDU ist immer an vorderster Front, wenn es um Kritik an der DDR geht, wenn die Missstände der SED-Diktatur angeprangert werden sollen. Nun aber agiert sie genau in SED-ähnlicher Manier, wenn sie politisch Einfluss auf Kunst nehmen will. Nicht ohne Grund ist die Freiheit der Kunst im Grundgesetz garantiert, nicht ohne Grund wird Zensur untersagt. Politik hat sich in diese Sphäre nicht einzumischen.

Die Ausstellung muss bleiben – so schmerzlich sie ist und so empörend es vielleicht manche empfinden mögen, im „Schloss“ solche z.T. kontroverse Bilder zu hängen.