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Aber bitte exzellent – Ein kritischer Blick auf die Exzellenzinitiative

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Kann man einige ausgewählte Universitäten und Forschungsbereiche gesondert fördern? Kann man das als Bundesregierung tun – trotz der klaren Zuständigkeit der Länder? Sollte man es tun? Seit die SPD 2004 den Vorschlag unterbreitete, gezielt »Eliteuniversitäten« fördern zu wollen und die »Exzellenzinitiative« dann 2005 als gemeinsames Projekt von Bund und Ländern beschlossen wurde, gibt es eine lebhafte Debatte um das abstrakte und das konkrete Für und Wider dieses Förderprogramms.

Gerade auch aus linker Perspektive mutet eine solche milliardenschwere Finanzspritze für die Wissenschaftslandschaft unter den gegebenen Vorzeichen merkwürdig an. Die Exzellenzinitiative geht nun ins zehnte Jahr und der vor kurzem vorgestellte Evaluationsbericht und die damit einsetzende Diskussion um die Weiterführung der Initiative haben die Gemüter wieder neu erhitzt. Die Reaktionen auf den so genannten Imboden-Bericht von bejubelnd bis ablehnend waren eher wenig differenziert. Zeit, sich einmal etwas genauer mit den Voraussetzungen und Wirkungen der Exzellenzinitiative zu befassen.

 

Anti-Elitäre Hochschulpolitik?

Einer der Hauptkritikpunkte an der Initiative ist der dahinter stehende elitäre Gedanke. Eine Trennung der Hochschulwelt in eine »Elite« und eine »Masse« wurde prognostiziert und die Förderung ausgesuchter weniger Einrichtungen kritisiert. Diese Kritik gipfelt in der Forderung, die Mittel der Exzellenzinitiative nicht mehr für das Förderprogramm, sondern für eine bessere Grundfinanzierung aller Hochschulen zu verwenden. Doch ist es so einfach?

Zunächst zu dem alternativen Vorschlag. Derzeit vergibt die Exzellenzinitiative pro Jahr rund 500 Mio. Euro. Würde man dieses Geld breit unter den Hochschulen verteilen, blieben bei knapp 415 Hochschulen rund 1,2 Mio. Euro pro Hochschule übrig. Beschränkt man sich – wie es die Exzellenzinitiative tut – nur auf die Universitäten, kämen bei denen noch knapp 4,7 Mio. Euro an. Gießkanne war noch nie eine empfehlenswerte Fördermethode und um z.B. eine entscheidende Verbesserung der Studiensituation zu erreichen, wären pro Hochschule sicherlich deutlich mehr Mittel nötig. Nicht unerwähnt sollte in dem Zusammenhang bleiben, dass angesichts von rund 27 Mrd. Euro jährlichen Gesamtausgaben der öffentlichen Hand für alle bundesdeutschen Hochschulen[1] eine Förderung über 500 Mio. Euro (1,8%) bestenfalls kleine Effekte erzeugt, aber niemals eine Trennung zwischen »Elite« und »Masse« herbeiführen kann.

Wer wirklich glaubt, es hätte im deutschen Hochschulsystem nicht schon seit Jahrzehnten besser ausgestattete, von Studierenden, Wissenschaftler*innen, Drittmittel-Geber*innen bevorzugte Hochschulen gegeben, der/die hat die Entwicklungen wohl verschlafen. Es gab und es gibt sie – die Hochschulen mit den erfolgreichen DFG-Anträgen, mit den umfangreichen Projektaufträgen, mit den zahlreichen Patent-Anmeldungen, Ausgründungen, Preisen. Schon lange vor der Exzellenzinitiative hat es wenige elitäre (und sich selbst auch so gerierende) Einrichtungen gegeben und solche, die nach dem Verständnis »Masse« waren. Noch differenzierter wird das Bild, wenn man sich auf konkrete Forschungsbereiche konzentriert. Hier gibt es an nahezu jeder Hochschule Fachbereiche oder sogar nur Lehrstühle, die aufgrund der Leistung, des Rufes oder der Kontakte besser ausgestattet, besser vernetzt sind und/oder wirklich herausragende Forschungsergebnisse erbringen. Es hat im Wissenschaftsland Deutschland immer schon elitäre Forschung und elitäre Einrichtungen gegeben – daran hat weder die Exzellenzinitiative einen Anteil noch hat sie diese Entwicklung ausgelöst.

Aber ist Elite per se schlecht? Muss man die Exzellenzinitiative wegen dieses Ansatzes ablehnen? Exzellenz bedeutet nach lateinischem Ursprung ex-cellere schlicht »hervorragen« oder »emporragen«. Die Welt ist keinesfalls homogen und daher wird – unter welchem Blickwinkel auch immer – stets jemand oder etwas hervorragen, sich von anderen (ggf. auch von der Mehrheit) abheben. In etwas gut, sogar besser zu sein als andere mag elitär, mag exzellent sein – aber ist es negativ? Auch der Gegensatz »Elite« und »Masse« ist nur oberflächlich betrachtet. Eine Elite braucht die Masse ebenso wie die Masse eine Elite braucht. Wie gäbe es eine exzellente und erfolgreiche Handballnationalmannschaft mit den besten Spielern des Landes, wenn es nicht die große Masse der Breiten- und Spitzensportvereine gäbe, aus denen sie sich rekrutiert? Wie gäbe es exzellente, preisgekrönte Staatsorchester und Philharmonien, wenn es nicht die Masse der Musikschulen und Konservatorien gäbe, aus denen dieser Nachwuchs kommt? Wie gäbe es exzellente Forschungscluster, wenn die besten Studierenden nicht aus der Masse des jeweiligen Fachs »emporragen« würden?

Elite und Exzellenz sind kein abzulehnendes Konzept, sie sind im Gegenteil notwendig für Spitzenleistung. Aber – und das muss das unumstößliche Vorzeichen einer linken Bildungs- und Hochschulpolitik sein – der Zugang zu dieser Elite darf nicht durch rechtliche, ökonomische oder wie auch immer geartete Hürden versperrt werden. Elitäre Clubs ausschließlich für Männer sind ebenso abzulehnen wie elitäre Studiengänge mit Gebühren. So lange dieses Präjudiz gilt, kann auch ein Staat natürlich Exzellenz fördern. Nichts anderes geschieht in Sportfördergruppen, in Wettbewerben wie »Jugend musiziert« oder in Bundesförderprogrammen wie der Qualitätsoffensive Lehrerbildung oder eben der Exzellenzinitiative. Es geht aber um das konkrete Wie und hier lohnt sich eine nähere Betrachtung.

 

Exklusive Initiative

Der Ansatz der Exzellenzinitiative war, mit Fördermitteln den Wissenschaftsstandort Deutschland zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Spitzen im Wissenschaftsbereich sichtbarer zu machen[2]. Dafür wurden drei Förderlinien kreiert (Graduiertenschulen, Exzellenzcluster, Zukunftskonzepte), für die zwischen 2006 und 2017 zusammen rund 4,6 Mrd. Euro ausgegeben wurden. Aktuell werden 45 Graduiertenschulen, 42 Exzellenzcluster und 11 Zukunftskonzepte gefördert. Aber entspricht die Struktur der Initiative dem oben postulierten freien Zugang zu Exzellenz?

Ein erster Kritikpunkt liegt schon in der Gestaltung der Initiative: antragsberechtigt sind ausschließlich die Universitäten. Seitdem sich aber das vormals sehr stark zweidimensionale Hochschulsystem mit seinen Universitäten und Fachhochschulen zunehmend heterogener gestaltet, gibt es immer mehr forschungsstarke Fachhochschulen, die zumindest in einigen wenigen Bereichen auch exzellent sind. Warum diese ausschließen? Zu Recht fordert die Hochschulrektorenkonferenz, dass in einer künftigen Exzellenzinitiative auch die Hochschulen für angewandte Wissenschaften beteiligt werden sollen[3].

Ein zweiter Kritikpunkt betrifft das Antrags- und Bewilligungsverfahren. Die über die Anträge entscheidende Gemeinsame Kommission bestehend aus Fachkommission (vom Senat der DFG eingesetzt) und Strategiekommission (vom Wissenschaftsrat eingesetzt) und wird nicht nur von wissenschaftlichen Expert*innen, sondern auch von »Hochschulmanager*innen« und Vertreter*innen der Wirtschaft gebildet. Diese Ausrichtung lässt eine Entscheidung nicht nur anhand rein wissenschaftlicher Leistung, sondern auch anhand von einer vermeintlichen Verwertbarkeit vermuten. Allein diese Zusammensetzung lässt eine starke Bevorzugung natur- und ingenieurswissenschaftlicher Projekte vermuten. Bestätigt wird diese Kritik, betrachtet man die Verteilung der Fördermittel im Rahmen der Exzellenzinitiative von 2006 bis 2017. So entfallen auf Graduiertenschulen und Exzellenzcluster im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften lediglich 18% der Mittel, während es für Natur- und Ingenieurswissenschaften fast 50% sind und auch das Fachgebiet Lebenswissenschaften mit 33% zu diesem Bereich gezählt werden kann[4]. Einen gleichberechtigen Zugang aller Fachbereiche kann es angesichts der gewählten Struktur nicht geben.

Ein dritter Kritikpunkt ergibt sich aus der Betrachtung des Förderzeitraumes hinsichtlich der regionalen Verteilung der bewilligten Anträge. In allen drei Runden der Exzellenzinitiative haben es Hochschulen aus den neuen Bundesländern[5] nur in den seltensten Fällen zu einem erfolgreichen Antrag geschafft. Seit 2006 sind das 5 Graduiertenschulen (bei insgesamt 85 bewilligten Anträgen), 4 Exzellenzcluster (bei insgesamt 80 bewilligten Anträgen) und ein Zukunftskonzept. Sowohl Brandenburg, als auch Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt erhalten keinerlei Finanzmittel im Rahmen der Exzellenzinitiative – sie sind damit die einzigen drei Bundesländer ohne jeglichen Anteil (wobei der Anteil von Thüringen auch nur bei 0,3% liegt). Betrachtet man die Anteile an den Finanzmitteln im Rahmen der Initiative, so fällt auf, dass es starke Schwankungen gibt zwischen dem Anteil der Bundesländer und ihrem jeweiligen Wert im Königssteiner Schlüssel[6]. Eklatant jedoch wird dies, betrachtet man die ostdeutschen Bundesländer, die einen Anteil von 6,5% am Finanzaufkommen der Exzellenzinitiative haben, zusammen aber nach Königssteiner Schlüssel auf einen Wert von 15,7 kommen. Die Benachteiligung der noch jungen Wissenschaftslandschaft Ostdeutschlands mag in der Konstruktion des Förderprogramms nicht beabsichtigt gewesen sein – sie ist aber ein deutliches Ergebnis der Förderung. Als kleiner Exkurs sei die Erwähnung gestattet, dass diese Benachteiligung ein auf die gesamte Forschungsförderung bezogenes bedauerliches Phänomen ist. Bei der Auswertung der Finanzströme aller öffentlichen Forschungsförderung (Anteil Bund und Länder bezogen auf die Finanzierung der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Exzellenzinitiative sowie weiterer bundesweiter Akademieprogramme) fällt auf, dass einige Bundesländer ein negatives Saldo haben, also mehr einzahlen als durch Förderprogramme und Projektmittel wieder einnehmen. Besonders bemerkenswert ist dabei nur, dass auch alle ostdeutschen Bundesländer zu den »Zahlerländern« gehören[7].

Weitere Kritikpunkte, die sich weniger auf den elitären Ausgangscharakter der Exzellenzinitiative, als auf ihre Wirkung beziehen, haben dennoch eine exkludierende Folge. So haben sich z.B. innerhalb der Hochschulen zusätzliche, meist nicht legitimierte Gremien gebildet, um die Anträge oder die daraus nötigen strukturellen Änderungen innerhalb der Hochschule voranzutreiben. Demokratische Mitwirkungsgremien waren dabei oft kaum beteiligt. Ebenso wurde die Lehre als konstitutiver Bestandteil von Hochschule nicht beachtet – aber was ist gute Forschung ohne gute Lehre? Insgesamt ist die Exzellenzinitiative von ihrer strukturellen Anlage her kein Förderprogramm mit einem freien Zugang. Sie setzt bereits von ihrer Gestaltung und im Ergebnis auch von ihrer Wirkung her auf Exklusivität und Ausgrenzung.

 

Erfolgreiche Exzellenzförderung?

Nachdem schon die Ausgangslage der Exzellenzinitiative unter linker Perspektive nicht positiv sein kann, zeigt der Evaluationsbericht weitere Mängel auf[8]. Die Kommission um Prof. Imboden hat die Wirksamkeit der Initiative im Hinblick auf verschiedene »Baustellen« untersucht und kommt dabei zu einem unerfreulichen Ergebnis. Erstens sollte die Exzellenzinitiative einen positiven Einfluss auf die vertikale und horizontale Differenzierung der Wissenschaftsbereiche haben. Weder für die horizontale Differenzierung (Zunahme an Forschungsschwerpunkten) noch für die vertikale Differenzierung (Aufstieg einzelner Universitäten zu »World Class Universities«) konnte ein nachweisbarer Effekt gefunden werden. Es konnte zwar ein Mehr an Debatte (inner- und außeruniversitär) über Forschungsstrategien und –konzepte festgestellt werden – aber eine durch die Exzellenzinitiative verursachte positive Entwicklung gab es nicht.

Zweitens sollten im Zuge der Exzellenzinitiative bessere Governance-Strukturen an den Hochschulen geschaffen werden. Auch hier fällt das Urteil der Kommission ernüchternd aus: es bestehe noch substantieller Nachholebedarf. Dies muss aus linker Perspektive eher zufrieden stimmen, meinen die Governance-Strukturen doch klare Hierarchien innerhalb der Hochschulen, starke Machtbefugnisse der Hochschulleitungen und mehr Autonomie vom Staat und dessen Einfluss.

Zum dritten wurde die Wirkung der Exzellenzinitiative auf den wissenschaftlichen Nachwuchs untersucht. Hier fällt das Ergebnis zwiespältig aus. Großen und positiven Effekt hatten die Graduiertenschulen, der Anteil von strukturierten Promotionsprogrammen ist deutlich gestiegen. Auch die Schaffung zusätzlicher Nachwuchsstellen im Rahmen der Initiative ist begrüßenswert. Allerdings sieht auch die Kommission hier das Problem, dass trotz der Schaffung von Tenure-Track-Modellen die zusätzlichen PostDoc-Stellen nur eine Verschiebung der für Nachwuchskräfte bestehenden unsicheren Berufsperspektiven darstellt. Die Entscheidung über eine akademische Karriere habe sich damit nur zu einem höheren Alter hin verschoben.

Einen wirklich deutlichen Effekt hat die Exzellenzinitiative nach Ansicht der Kommission in der Kooperation von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Hier haben gerade zahlreiche Exzellenzcluster zu neuen Formen der interdisziplinären Zusammenarbeit geführt und neue Forschungsstrukturen geschaffen. Allerdings wird auch einschränkend betont, dass weder die Nachhaltigkeit noch die Qualität dieser Kooperationen bewerten werden kann.

Ebenfalls können nach dem Abschlussbericht leichte Effekte bei der Internationalisierung festgestellt werden. So hat es eine deutliche Zunahme bei internationalen Ko-Publikationen und bei der absoluten Zahl von ausländischem wissenschaftlichem Personal gegeben.

Insgesamt muss damit das Urteil über die Wirkungen der Exzellenzinitiative (in deren Logik) unbefriedigend ausfallen. Eine deutliche Zunahme an exzellenter Forschung hat es ebenso wenig gegeben wie eine (aus linker Perspektive nicht gewollte) Veränderung im Hochschulmanagement. Die Effekte hinsichtlich der Internationalisierung oder der Einbettung in das Wissenschaftssystem sind nur geringfügig, ebenso die Auswirkungen auf den wissenschaftlichen Nachwuchs. Zu Recht stellt sich damit die Frage, ob und wie diese Förderung in Zukunft ausgestaltet werden soll.

 

Eine linke Exzellenzinitiative

Schon die so genannte Imboden-Kommission macht Vorschläge für eine Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative. Weder aus der Perspektive der Initiator*innen der Initiative noch aus linker Sicht kann die jetzige Förderstruktur so bleiben wie bisher. Aber die Vorschläge der Kommission greifen an vielen Stellen zu kurz. Gänzlich ungeeignet erscheint die Exzellenzprämie, wonach Hochschulen nach einem Ranking (Top 10) finanzielle Mittel erhalten sollen ohne einen Antrag zu stellen. Auch die Abschaffung der Graduiertenschulen erscheint wenig plausibel. Sinnvoll hingegen ist die Verlängerung der Förderperiode auf 7 bis 8 Jahre und die Ausweitung und Flexibilisierung der Exzellenzcluster. Aber dennoch fehlen einige wesentliche Korrekturen, um aus der Exzellenzinitiative eine wirklich progressive Fördermaßnahme zu machen:

  • Die Förderung sollte sich auf exzellente Forschungsbereiche beschränken und daher nur noch die Graduiertenschulen und die Exzellenzcluster berücksichtigen. Die Förderung ganzer »Elite-Universitäten« kann beendet werden.
  • Die Förderung sollte sich nicht nur fachlich, sondern auch strukturell öffnen – Fachhochschulen sollten auch (zumindest als Partner) antragsberechtigt sein. Außerdem sollte die Bewilligungsstruktur so geändert werden, dass die Anträge nach Fächergruppen sortiert und dort jeweils einzeln und ausschließlich fachlich begutachtet werden. So könnte die derzeit starke Gewichtung zuungunsten einiger Fächergruppen entgegen gewirkt werden.
  • Die Förderung muss um zwei Dimensionen erweitert werden: zum einen braucht es eine Förderung für exzellente Lehre. Das parallel laufende Programm »Qualitätspakt Lehre«, das mit seinen 200 Mio. Euro ohnehin aufgestockt werden muss, kann hier integriert werden. Zum anderen wäre eine Förderung für exzellente soziale Rahmenbedingungen notwendig[9]. Nur wenn die Hochschule als Gesamtsystem (Lehre, Forschung und Umfeld) gedacht und auch gefördert wird, kann exzellente Spitze entstehen.
  • Die Verlängerung der Laufzeit ist ebenso notwendig wie eine klarere Akzentuierung von Gleichstellungsaspekten bei der Mittelvergabe.
  • Klar ist, dass es eine Art regionaler Komponente geben muss. Die dauerhafte Benachteiligung des Wissenschaftsstandortes Ostdeutschland darf es nicht geben. Wie genau die gestaltet werden kann, muss noch diskutiert werden.

Ohne Frage benötigt das gesamte Wissenschaftssystem in Deutschland zusätzliche Mittel. Diese Forderung muss weiterhin – gerade aus linker Sicht – erhoben werden. Dennoch kann eine Förderung von exzellenter Forschung und exzellenter Lehre sinnvolle und positive Effekte haben. Zum Teil hat die bisherige Exzellenzinitiative das schon gezeigt. Aber für eine künftige Entwicklung, die auch den Ansprüchen linker Wissenschaftspolitik entspricht, muss es maßgebliche Änderungen an der Struktur und der Ausrichtung der Exzellenzinitiative geben. Sie muss im wahrsten Sinne des Wortes exzellent werden.

 

[1] Angabe Bildungsfinanzbericht 2014, Statistisches Bundesamt

[2] Präambel der Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern zur Exzellenzinitiative

[3] Empfehlung der 19. Mitgliederversammlung der HRK am 10.11.2015

[4] Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE, Drs. 18/5860

[5] Wobei Berlin hier nicht als neues Bundesland gerechnet wird

[6] Dieser Wert bemisst sich nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl und ist damit für einen Vergleich durchaus geeignet

[7] Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, Heft 44 »Finanzströme im Jahr 2013«

[8] Siehe Endbericht der Internationalen Expertenkommission zur Evaluation der Exzellenzinitiative, Januar 2016

[9] Hier ist Dieter Timmermann, Präsident des Deutschen Studentenwerkes, nur zuzustimmen (siehe DSW-Journal, 4/2015)

Ein Gedanke zu “Aber bitte exzellent – Ein kritischer Blick auf die Exzellenzinitiative

  1. Die Analyse finde ich interessant und die Forderung nach einer sozialen Dimension der Exzellenzinitiative durchaus nachvollziehbar – aber eine Bevorzugung oder gesonderte Berücksichtigung der ostdeutschen Hochschulen ist weder praktisch umsetzbar noch erstrebenswert. Es gilt immernoch die Freiheit der Wissenschaft und daher sind solche Bevorzugungen nicht sinnvoll.

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