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Hörsaal

Ihr könnt einpacken! Zum Pakt für wissenschaftlichen Nachwuchs

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Am 16. Juni treffen sich die Ministerpräsident*innen der Länder mit der Bundeskanzlerin und werden aller Voraussicht nach ein Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchs beschließen. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz hat das Programm bereits im Mai bestätigt. Im Kern sollen bundesweit bis 2032 insgesamt 1.000 Tenure-Track-Professuren gefördert werden. Ob das die gewünschte Nachwuchsförderung darstellt darf aber bezweifelt werden.

Gefördert wird die Tenure-Track-Stelle mit einer Laufzeit von bis zu sechs Jahren. Gleichzeitig werden die Ausstattungsausgaben für diese gesamte Zeit sowie ein Strategieaufschlag von 15 Prozent auf die Förderung gewährt. Die Länder müssen die Stellen nach Ablauf der Förderung übernehmen, die zu fördernden Stellen werden in zwei Runden (2017 und 2019) auf Grundlage des Königsteiner Schlüssels vergeben.

 

Aus linker wissenschaftspolitischer Sicht ist dieser „Nachwuchs-Pakt“ ein Etikettenschwindel. 1.000 Stellen für Tenure-Track-Professuren ist angesichts von bundesweit über 45.000 Professur*innen und fast 200.000 akademischen Mitarbeiter*innen eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Vergabe der Stellen, die über ein Expertengremium aus Bund, Ländern, DFG, HRK und Wissenschaftsrat geregelt wird, lässt das Programm eher wie eine weitere Säule der Exzellenzinitiative erscheinen.

Das Programm ist nur offen für Universitäten und ihnen gleichgestellten Hochschulen – also nciht für Fachhochschulen. Diese erneute Benachteiligung der Fachhochschulen ist beschämend und blendet die hervorragenden Leistungen dieses Teil der Hochschullandschaft aus. Außerdem wäre es angesichts der vielen Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit auch in der Wissenschaft notwendig gewesen, eine verbindliche Frauenquote für das Förderprogramm festzulegen.

Erschwerend kommt hinzu, dass beispielsweise für Brandenburg aufgrund des Königsteiner Schlüssels nur 2,6% der Fördersumme entfällt, was letztlich rund 26 magere Stellen für unser Bundesland bedeuten. Das eigentlich Ziel des Paktes aber, nämlich „(…) die Karrierewege des wissenschaftlichen Nachwuchses an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen besser planbar und transparenter zu gestalten.“ wird damit weit verfehlt. Trotz des Programms wird es tausende befristete Nachwuchswissenschaftler*innen geben, die sich von Jahr zu Jahr hangeln. Planbarkeit sieht anders aus. Besser wäre ein Programm für unbefristete Beschäftigungsverhältnisse in der Wissenschaft in einem Umfang der wirklich etwas verändert. Die Linksfraktion im Bundestag hat dazu einen geeigneten Vorschlag gemacht.

 

Der Pakt wird für wenige Wissenschaftler*innen von Vorteil sein und ihre Karrierewege langfristig planbar machen. Der Pakt wird auch – und das völlig zu Recht – das Tenure-Track-Modell breiter an den hochschulen etablieren. Viel zu wenig wird davon auch bei regulären Professuren Gebrauch gemacht. Aber wirklich fördern wird dieser Pakt den wissenschaftlichen Nachwuchs nicht. Leider. Es bleibt ein elitäres Programm, was die wirklichen Probleme auf dem Karriereweg in der Wissenschaft nicht behebt. Und gerade diese Probleme zu verringern wäre dringend nötig, um als Wissenschaftsland attraktiv zu bleiben.

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