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Mücke

Deutschland, dein Stipendiumchen

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Seit 2011 gibt es das so genannte „Deutschland-Stipendium“, eine Erfindung von CDU-FDP zur Begabtenförderung. Großspurig waren die Ankündigungen – bis zu 8% der Studierenden (also über 150.000 Menschen) sollten monatlich ein Stipendium in Höhe von 300 Euro erhalten, dass von der Hochschule selbst vergeben werden und zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von Unternehmen bezahlt werden sollte. Aber die letzten 5 Jahre zeigen: aus dem Stipendiums-Elefanten ist bestenfalls eine Mücke geworden.

Schon die Konstruktion des Deutschland-Stipendiums ist merkwürdig. Die Hochschule soll selbst in ihrem Umfeld Unternehmen und private Förderer aquirieren und selbst die Studierenden auswählen. Dafür erhält sie zwar eine kleine Pauschale für die Akquisekosten – aber angesichts des Aufwandes wird diese Pauschale den wirklichen Kosten nicht gerecht. Zusätzlich birgt die mit dem Stipendium quasi geforderte Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft durchaus Gefahren. Zwar sollen (!) die Unternehmen, die immerhin 65% der Förderer stellen, nicht direkt am Auswahlprozess beteiligt sein und sich auch ansonsten zurückhalten. Aber selbst der Beirat für das Deutschland-Stipendium sieht sich in seinen Empfehlungen genötigt darauf hinzuweisen, dass Hochschulen in den Fördervereinbarungen auf die Unabhängigkeit der Hochschulen explizit hinweisen sollen. Eine zu enge Verzahnung von wirtschaftlichen Interessen mit der Wissenschaft wird demnach sogar bei den Initiator*innen gesehen. Angesichts von zunehmenden Tendenzen der Wirtschaft, im Wissenschaftssystem in größerem Umfang Fuß zu fassen (Stichwort auch Duales Studium), sollte gerade DIE LINKE hier sehr wachsam sein.

Darüber hinaus ist fraglich, inwiefern eine Förderung von 300 Euro ausreichend ist. Damit lässt sich kein Lebensunterhalt bestreiten, eine zusätzliche Arbeit ist also weiter nötig.

 

Nun wurde nach 5 Jahren Stidendium eine Evaluation vorgelegt, die sehr deutlich zeigt, wie unnütz und an den Zielen vorbei dieses Projekt ist. Von den großen Zielen, 8% der Studierenden mit dem Stipendium auszustatten ist man meilenweit entfernt. Gerade 0,9% der Studierenden haben 2016 das Deutschland-Stidendium erhalten, über 1,5% ist die Förderquote nie hinausgekommen. Nicht mal das von der CDU-SPD-Koalition selbst herausgegebene Ziel von 2% Förderquote wurde weit verfehlt. Jedes Jahr werden Millionen aus dem Bundeshaushalt ungenutzt zurückgegeben, 2014 sind von geplanten 50 Millionen Euro nur 29 Millionen Euro abgeflossen. Selbst der Bundesrechnungshof hat das Stipendium angesichts des hohen Durchführungsaufwandes kritisiert.

Aus linker Sicht fällt am stärksten auf, dass auch das Deutschland-Stipendium es nicht schafft, gerade Menschen aus bildungsferneren Schichten zu unterstützen. Ihr Anteil an der Förderung liegt genauso hoch wie ihr Anteil an allen Studierenden. Um aber gerade ihre Chancen zu erhöhen, müssten sie überproportional unterstützt werden. Ein Ausbau des Bafög wäre hier der bessere und nachhaltigere Weg.

Nicht zu unterschätzen ist auch, dass unter den rund 6.700 Förderern überwiegend mittlere und große Unternehmen finden, für die das Stipendium sicherlich günstiger ist als ein Headhunting. Gerade kleine Unternehmen, die wirklich eine Unterstützung bräuchten, sind kaum unter den Förderern. Was neben den vielen tollen Geschichten von Stipendiat*innen aber völlig fehlt ist eine Untersuchung über Studierenden, die sich während des Förderzeitraumes gegen eine Zukunft in dem Unternehmen oder gar in dem Fachbereich entscheiden.

 

Aber auch über das kritikwürdige Deutschland-Stipendium hinaus gibt es z.B. in Brandenburg noch andere problematische Aktivitäten. Das „Brandenburg-Stipendium“ fördert beispielsweise unternehmensnahe Abschlussarbeiten von Studierenden (75% Land, 25% Unternehmen) oder auch die 12monatige Beschäftigung von Werkstudierenden (auch 75% Land, 25% Unternehmen). Auch hier wird mit Hilfe von Förderung eine bedenkliche Verzahung von Wissenschaft und Wirtschaft betrieben.

 

Das Deutschland-Stidpendium ist nicht nur eine abzulehnende Art von Begabtenförderung, es ist auch völlig hinter den eigenen Zielen zurückgeblieben. Die Jubelfeier durch die Bundesbildungsministerin nach 5 Jahren entbehrte jede Grundlage und daher sollte dieses Stipendium nicht weiter verfolgt werden.

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