← Zurück zur Artikelauswahl

Ein Baudezernent sollte von dieser Welt sein

Print Friendly, PDF & Email

Mehrere Wochen dauert nun ein Konflikt zwischen der Stadtverwaltung, konkret dem Baudezernat, und Teilen des Stadtrates um eine radverkehrliche Ertüchtigung der Ernst-Lehmann-Str. in Alte Neustadt. Anfang April hat dabei der Baudezernent Herr Scheidemann im Bauausschuss begründet, warum er keine Möglichkeit für einen Radweg in der Straße sieht.

Ausgangspunkt der Debatte ist ein Antrag der Fraktionen GRÜNE/Future!, SPD und LINKE, in welchem der Bürgermeister aufgefordert wird, einen Radweg herzustellen. Dieser Antrag wurde im Februar mehrheitlich beschlossen. Laut Volksstimme hat der Bau- und Verkehrsdezernent Ende März zum Antrag Stellung bezogen und einen Radweg abgelehnt. Grund: die Straße wäre zwar für Fahrbahn und Radweg ausreichend breit, aber es würde – da in der Ernst-Lehmann-Str. auch geparkt wird – zusätzlicher Platz für einen Schutzstreifen zwischen Parkfläche und Radweg fehlen.

Liest man sich die entsprechenden Bestimmungen genau durch, wird dieser Schutzstreifen zwar empfohlen, er ist aber keine Pflicht. Insofern muss hier zwischen dem Interesse eines Radweges und der Gefahr durch die parkenden Autos abgewogen werden. Im Vergleich zur jetzigen Situation wäre aber auch ein Radweg ohne besonderen Schutzabstand zu den Parkflächen ein enormer Fortschritt für die Verkehrssicherheit.

Während sich dieser Dissens noch auf verschiedene Lesarten von Vorschriften reduzieren ließe, muss man sich nach der Bauausschuss-Sitzung Sorgen um die örtlichen Kenntnisse von Herrn Scheidemann machen. Laut Zeitungsbericht hält der Baudezernent den Ausbau der Hansastr. für wichtiger. Das ist leider aus mehreren Gründen ziemlich abstrus. Erstens ist die Hansastr. eine Sackgasse, die an einem Grundstückstor endet. Nur ein schmaler Trampelpfad (durch eine Tür!) führt hier weiter Richtung Unigelände. Zudem ist das Stück Hansastr. aus für Radfahrer*innen ungünstigem Kopfsteinpflaster – siehe Foto. Entscheidender Grund aber, warum die Idee Quatsch ist, ist die radverkehrstechnische Lage in Alte Neustadt. Der Pfälzer Platz ist ein Hauptknotenpunkt für Radfahrer*innen. Hier verfügen die Hohepfortestr., die Pfälzer Str. und der Hohenstaufenring jeweils über einen Radweg. Die logische Weiterführung dieser Infrastruktur ist die Ernst-Lehmann-Str. Keinem Radfahrer wäre es zu erklären, warum er zur Weiterfahrt Richtung Wittenberger Platz einen Zick-Zack-Kurs durch den Uni-Campus fahren sollte. Insofern entpuppt sich der Vorschlag des Baudezernenten als weltfremd.

Und auch in einem weiteren Punkt irrt Herr Scheidemann: auch wenn viele Studierende mit Rad unterwegs sind – im Wesentlichen spielt sich der Radverkehr an der Stelle auf der Trasse Nordpark – Rogätzer Str. – Sarajevo-Ufer ab. Dafür braucht es den Lückenschluss in der Radwege-Infrastruktur in der Ernst-Lehmann-Str. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – und der Stadtrat (wie auch Akteure vor Ort) wollen.

Ein Gedanke zu “Ein Baudezernent sollte von dieser Welt sein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.